OST COLA

Geschichte

Fast wäre alles auf dem Müll gelandet.

Was soll man auch mit einem Rollschrank, der seit zehn Jahren ungenutzt auf einem Hamburger Dachboden herumsteht, weil der Schlüssel verschwunden ist?

Glücklicherweise griff Fotograf Mathias Knoppe, der seit 1998 in Hamburg lebt, im Herbst 2010 nicht zum Telefon (um die Öffnungszeiten des Recyclinghofes zu erfragen), sondern zum Werkzeugkasten. Was er mit Hilfe von Zange und Brecheisen ans Tageslicht beförderte, kann als nichts Geringeres als ein kulturhistorischer Schatz bezeichnet werden: Mehr als 10.000 Negative, die während Knoppes Fotografenlehre im Zeitraum zwischen 1983 und 1989 in dessen Heimatstadt Brandenburg/Havel entstanden waren.

Bemerkenswert ist vor allem dies: Brandenburg war die Stahlhochburg der ehemaligen DDR, eine Arbeiter- und Industriestadt, wie sie typischer für den Osten nicht sein konnte. Mit seinen atmosphärischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus der Stadt (allein 20 Rollfilme nur mit dem Stahlwerk als Motiv), von 1.Mai-Demonstrationen, Tanzveranstaltungen und immer wieder seinen Freunden und Bekannten, die in typischer 80er-Kluft mit hochgestellten Haaren, Parkas und Pumphosen posieren, hat Mathias Knoppe in sechs Jahren mal eben eine Dokumentation des alltäglichen Lebens im Osten hingelegt, eine von vielen Geschichten der DDR geschaffen.

Das wurde auch dem Fotografen selbst schnell klar. Kurz nachdem er mit dem Einscannen der Negative begonnen hatte, setzte er eine Facebook-Seite mit dem Titel OST COLA auf, um seinen Fund zu teilen, und was danach folgte, kann als Lauffeuer bezeichnet werden. Die ersten Fans kamen, teilten, brachten mehr Fans mit, die Klickzahlen stiegen, die Kommentarleisten wurden immer länger.

Mit fast 3.000 Fans, darunter viele von den damals abgebildeten Jugendlichen, die heute in ihren besten Jahren sind, und bis zu 8.000 Zugriffen pro Woche, bereichert die OST COLA-Seite den Facebook-Feed vieler auf eine Art, wie es die meisten Fanseiten nicht schaffen.

Ergänzt werden die eingescannten Bilder von Knoppe mit Aufnahmen der Fotografen Hans Hoffmann und Alexander Pollok.

Dem Erfolg der Facebook-Seite ist es zu verdanken, dass Mathias Knoppe sich entschieden hat, die besten Aufnahmen in Buchform herauszubringen. OST COLA – Das Buch erschien am 23. November 2013, zeitgleich mit der Eröffnung einer OST COLA-Ausstellung im Archäologischen Landesmuseum in Brandenburg zu der weit über 1000 Besucher am Eröffnungsabend erschienen.

Nach einem zweiten Aufguss der Ost Cola Ausstellung im Jahr 2014 im Archäologischen Landesmuseum bei dem wieder weit mehr als 1000 Besucher am Eröffnungsabend zu zählen waren u. a. aus Japan und USA hat sich Mathias Knoppe aus dem von ihm ins Leben gerufene Projekt zurückgezogen und die Facebookfanseite aus Zeitmangel abgegeben.